Manchmal liegen die spannendsten Geschichten direkt vor der eigenen Haustür. Unser Teamausflug führte uns deshalb diesmal nicht in eine andere Stadt, sondern mitten hinein in ein Quartier, das in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden Wandel erlebt hat: die Bochumer Straße in Gelsenkirchen-Ückendorf.
Besonders schön war dabei, dass wir das Viertel mit den Augen einer echten Insiderin kennenlernen durften. Unsere Kollegin Kirsten engagiert sich seit vielen Jahren für Gelsenkirchen und bietet unter anderem Quartiersführungen über die Bochumer Straße an. Mit viel Wissen, Begeisterung und persönlichen Geschichten hat sie uns gezeigt, wie sich das Quartier verändert hat – und warum es heute weit mehr ist als seine Vergangenheit.
Vom Problemviertel zum Kreativquartier
Lange Zeit galt die Bochumer Straße als eine der schwierigsten Adressen Gelsenkirchens. Leerstehende Ladenlokale, verfallene Häuser und ein negativer Ruf prägten das Bild über viele Jahre.
Doch hinter den historischen Gründerzeithäusern, einer denkmalgeschützten Häuserzeile und der markanten Heilig-Kreuz-Kirche steckte schon immer großes Potenzial.
Seit 2012 arbeitet die Stadterneuerungsgesellschaft Gelsenkirchen (SEG) daran, dieses Potenzial sichtbar zu machen. Rund 40 Immobilien im Kernbereich wurden seitdem erworben, saniert und neuen Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung gestellt. Etwa 80 % der neuen Nutzungen hat die SEG selbst initiiert. Ziel ist es, einem gesamten Quartier neue Perspektiven zu eröffnen und nachhaltige Entwicklungen anzustoßen.
Heute zeigt sich, wie erfolgreich dieser Weg sein kann. Wo früher Leerstand herrschte, sind mittlerweile Ateliers, kreative Projekte, soziale Initiativen, kleine Geschäfte und neue Gastronomiebetriebe entstanden. Die Bochumer Straße lebt – und entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Ein Viertel lebt vom Engagement seiner Menschen
Während unseres Rundgangs wurde schnell deutlich: Es sind nicht allein sanierte Gebäude, die diesen Wandel ausmachen. Es sind vor allem die Menschen, die Ideen entwickeln, Projekte starten und das Quartier mit Leben füllen.
Kirsten führte uns vorbei an liebevoll restaurierten Fassaden und erzählte von den vielen Initiativen, die Ückendorf heute prägen.
Ein besonderer Halt war die ehemalige Heilig-Kreuz-Kirche, die heute als außergewöhnlicher Veranstaltungsort genutzt wird. Das imposante Gebäude verbindet Geschichte mit neuer Nutzung und ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie bestehende Architektur neu gedacht werden kann.
Das Georgel – Kunst, Klang und Begegnung
Besonders beeindruckt hat uns auch das Georgel des Künstlers Stefan Demming.
Was einst ein leerstehendes Ladenlokal war, ist heute Atelier, Klanginstallation, Veranstaltungsort und offenes Studio zugleich. Hier finden Konzerte, Lesungen, Upcycling-Workshops und ortsbezogene Kunstprojekte statt.
In den sogenannten Klangschubladen erzählen Stimmen, Gesänge und Geschichten aus dem Quartier von den Menschen, die hier leben und arbeiten. So entsteht ein Ort, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.
Nachhaltig bauen neu gedacht: Das UmBauLabor
Ein weiterer spannender Programmpunkt war unser Besuch im UmBauLabor.
Hier beschäftigt sich Baukultur NRW mit nachhaltigem und kreislaufgerechtem Planen und Bauen – ganz praktisch im Maßstab 1:1. Das UmBauLabor versteht sich als Treffpunkt für neue Ideen rund um Umbaukultur. Bestehende Räume und Materialien werden untersucht, umgedeutet, umgebaut, rückgebaut oder erweitert. Statt Abriss und Neubau stehen hier Ressourcenschonung und kreative Weiterentwicklung im Mittelpunkt.
Ein inspirierender Ort, der zeigt, wie Architektur und Nachhaltigkeit zusammen gedacht werden können.
Ein gelungener Teamausflug mit vielen neuen Eindrücken
Unser Rundgang hat uns einmal mehr gezeigt, wie viel Veränderung möglich ist, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und Ideen konsequent umsetzen.
Die Bochumer Straße ist heute ein Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung gelingen kann: Schritt für Schritt, gemeinsam mit den Menschen vor Ort und mit dem Mut, neue Wege zu gehen.
Ein herzliches Dankeschön an unsere Kollegin Kirsten für die spannende Führung, die vielen interessanten Einblicke und ihre Begeisterung für unsere Stadt. Wir haben Gelsenkirchen noch einmal aus einer ganz neuen Perspektive kennengelernt!